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Mhhm... lecker Hähnchen mit Rezept!
Haehnchen

Ach, was waren das doch für öde Zeiten, als man sich mit müden Knochen, schniefender Nase und verquollenen Augen zur Arztpraxis schleppte und um ein bitteres Medikament bettelte.

Wenn dann der gute „Onkel Doktor“ eine Bakterieninfektion feststellte und es sein Budget noch hergab, schleppte man sich mit einem oftmals widerwillig ausgestellten Rezept tapfer weiter zur Apotheke, um sich ein teures, verschreibungspflichtiges Antibiotikum über den Verkaufstresen schieben zu lassen.

 

Vorbei – endlich vorbei!

 

Heute trabt man zwar immer noch mit müden Knochen, schniefender Nase und verqollenen Augen zur Arztpraxis, aber doch bereits erfüllt mit einer inneren Freude auf künftige Genüsse. Schon im Wartezimmer schwirrt die Luft vom Austausch leckerer Brat- und Kochrezepte erwartungsfroher Patienten. Endlich zum Arzt vorgedrungen, wiegt dieser immer noch bedenklich den Kopf ob der nicht ganz leichten bakteriellen Infektion, aber anstatt zum Rezeptblock zu greifen, weiß er nun einen für alle Seiten Gewinn bringenden Rat: Ein leckeres Masthähnchen „mit“ Rezept.

 

Diese geniale volkswirtschaftliche Win-win-Situation ist allein den großen Hähnchenmastbetrieben zuzuschreiben, die dankenswerterweise dafür sorgen, dass ihre Tiere ihr kurzes Leben weder auf Wiesen, noch im Hof nutzlos „verscharren“, sondern in allerengster Verbundenheit zusehen, möglichst schnell ein profitables Gewicht zu erreichen. Natürlich hat diese drangvolle Enge im Hähnchenstall auch den Nachteil, dass sich Krankheiten rasend schnell ausbreiten.

 

Doch gerade hier beginnt ja die segensreiche Win-win-Kette:

 

Die Pharmaindustrie liefert in großem Stil Antibiotika an den Fleischproduzenten, die dieser verfüttert. Die Hähnchen bleiben trotz widriger Lebensbedingungen leidlich gesund und kommen nach kürzester Zeit in den Handel. Natürlich sind die Medikamente noch längst nicht abgebaut, sondern haben sich im Fleisch festgesetzt. Der Verbraucher schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe: Der Supermarkt ersetzt ihm zu einem Spottpreis die Apotheke, die die einzige Verliererin in dieser Kette ist, aber etwas Schwund ist ja bekanntlich immer. Ärzte und Krankenkassen

frohlocken wegen der entlasteten Budgets, so dass ein Arzt es sich jetzt gut und gerne leisten kann, ein schmackhaftes Hähnchenrezept kostenfrei zum teuren Rat mitzuliefern, das flötende Arztassistentinnen für Privatpatienten gerne auch mal ganz den persönlichen Vorlieben gemäß nachgooglen.

 

Willkommen in der schönen, neuen Welt!

 

 

Elke Diekenbrock-Nikelsky

 

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